Zinseszins einfach erklärt: Warum Frauen früh anfangen sollten

Was der Zinseszins ist und warum gerade für Frauen 10 Jahre früher anfangen mehr bringt als doppelt so viel zu sparen – mit einfachen Rechenbeispielen.

Kleine grüne Pflanze wächst aus einem Haufen Münzen
Foto: micheile henderson / Unsplash

Aktualisiert am · 3 Minuten Lesezeit

Albert Einstein soll den Zinseszins das „achte Weltwunder“ genannt haben. Ob das Zitat stimmt, ist unklar – die Wirkung ist es nicht. Der Zinseszins ist der Grund, warum es beim Investieren vor allem auf eins ankommt: Zeit.

Was ist der Zinseszins?

Wenn dein Geld Erträge abwirft, kannst du diese Erträge wieder anlegen. Im nächsten Jahr bekommst du dann Erträge auf dein ursprüngliches Geld und auf die Erträge vom Vorjahr. Das ist der Zinseszins: Erträge auf Erträge.

Bei Aktien und ETFs spricht man eigentlich von Rendite statt Zinsen (Kursgewinne und Dividenden). Das Prinzip ist aber dasselbe.

Ein einfaches Beispiel

Du legst einmalig 1.000 € an, mit einer angenommenen Rendite von 7 % pro Jahr:

  • Nach 1 Jahr: 1.070 €
  • Nach 2 Jahren: 1.144,90 € (die 70 € aus Jahr 1 haben selbst 4,90 € erwirtschaftet)
  • Nach 10 Jahren: ca. 1.967 €
  • Nach 30 Jahren: ca. 7.612 €

Ohne Zinseszins (wenn du die Erträge jedes Jahr abheben würdest) hättest du nach 30 Jahren nur 3.100 €.

Warum früh anfangen so viel ausmacht

Der Effekt wird mit jedem Jahr stärker. Am Anfang passiert gefühlt wenig, später sehr viel. Deshalb ist der Zeitpunkt des Einstiegs so entscheidend:

Start mitMonatlichEingezahlt bis 67Depot mit 67*
25 Jahren100 €50.400 €ca. 304.000 €
35 Jahren100 €38.400 €ca. 143.000 €

*bei angenommenen 7 % Rendite pro Jahr, ohne Kosten und Steuern

Wer 10 Jahre früher startet, zahlt nur 12.000 € mehr ein – hat am Ende aber mehr als doppelt so viel.

Die Faustregel: Wann verdoppelt sich mein Geld?

Mit der 72er-Regel kannst du schnell überschlagen, wie lange es dauert, bis sich dein Geld verdoppelt: 72 geteilt durch die Rendite in Prozent. Bei 7 % sind das rund 10 Jahre. Aus 1.000 € werden also in etwa 10 Jahren 2.000 €, in 20 Jahren 4.000 € und in 30 Jahren 8.000 €.

Warum das für Frauen besonders wichtig ist

Frauen unterbrechen ihr Berufsleben häufiger, etwa für Kinder oder die Pflege von Angehörigen, und arbeiten öfter in Teilzeit. In diesen Jahren kommt oft wenig dazu. Wer vorher schon angefangen hat, ist im Vorteil: Das angelegte Geld arbeitet auch in den Pausen weiter. Mehr dazu im Artikel Gender Pension Gap.

Die Kehrseite: Inflation

Der Zinseszins wirkt leider auch umgekehrt. Bei 2 % Inflation pro Jahr halbiert sich die Kaufkraft von Geld, das einfach auf dem Girokonto liegt, in rund 35 Jahren. Nicht investieren ist also auch eine Entscheidung – nur eine, die man nicht sieht.

Wichtig zu wissen

Die 7 % sind ein Durchschnittswert, wie ihn breit gestreute Aktienmärkte in der Vergangenheit über lange Zeiträume erzielt haben. Das ist keine Garantie: In einzelnen Jahren gibt es auch deutliche Verluste. Deshalb gilt: langfristig denken, breit streuen und nur Geld anlegen, das du nicht kurzfristig brauchst.

Dieser Artikel dient der Finanzbildung und ist keine Anlageberatung. Rechtliche Hinweise

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